Theodor Niklas

Aus dunklen Ecken ans Licht gebracht
- der Geschmack vergangener Zeiten zu Gast in St. Paul

Auf dem Dachboden des Gemeindehauses in der Jakobine-Lauber-Straße lehnen sie an der Wand, großformatige Ölgemälde. Wischt man den Staub von Jahrzehnten weg, erinnern sie ein wenig an Werke bekannter Meister.

Wie kommen Sie auf diesen Dachboden? Einige wenige Menschen erinnern sich noch an ihren Maler: Pfarrer Theodor Niklas (1886-1967). Der Lehrersohn war der erste evangelische Pfarrer in Pfersee. Gemeinsam mit seiner Familie prägte er zwischen 1922 und 1952 die Geschicke der Gemeinde. Pfarrer Niklas war ein kritischer Theologe und aufmerksamer Zeitgenosse. Im Verborgenen las er die Schriften von Pfarrer Martin Niemöller ( eine., der prägenden Köpfe des Kirchenkampfes als christlicher Widerstand gegen den Nationalsozialismus) und versteckte sie unter dem Wohnzimmerteppich. Seine Familie hatte Angst um ihn und fürchtete, seine Gesinnung werde ihn in Gefahr bringen. Evangelisch waren in jenen Zeiten vor allem Arbeiterinnen und Arbeiter aus der Textilindustrie und deren Angehörige. Das Wohl der Kinder und der Gottesdienst lagen der Gemeinde besonders am Herzen. Hohe Räume sollten dazu beitragen, den Geist und die Seele aufzurichten und zu erhöhen. Mit anschaulichen Bildern wollte man die Geschichte des Glaubens illustrieren.

In einer Zeit, in der das Wort "Hobby" noch nicht gebräuchlich war, sammelte Theodor Niklas Postkarten bekannter Ölgemälde, und malte sie ab. Mit Hilfe eines Pantografen, einem mechanischen Gerät, mit dem man Bilder vergrößert kopieren kann, gestaltete er großformatige Ölgemälde. Sie schmückten die Wände im Bethaus und auch einige Zimmer in Pferseer Wohnungen. Im Laufe der Jahre kamen wuchtige Gemälde aus der Mode; Und so fanden sich die Bilder irgendwann auf dem Dachboden des Gemeindehauses wieder.

Doch nun kommen sie für einige Wochen wieder ans Licht: In diesem Frühjahr werden Gemälde von Pfarrer Theodor Niklas in der Kirche St. Paul ausgestellt; Eigentlich sollte Sie die Bilder jetzt in der Kirche betrachten können, aber da dies z.Z. nicht möglich ist, können Sie hier die Bilder anschauen und hoffentlich auch bald wieder in der Kirche.